Nach nur 9 ½ Flugstunden Frankfurt-Bangkok wurden 3 andere Crew-Mitglieder und ich von unserem Agenten am Flughafen abgeholt. Die ersten Schritte auf Thailändischem Boden waren aber gleich ein Schock – es ist sooooo heiß hier, kombiniert mit maximaler Luftfeuchtigkeit, da fällt es erstmal schwer zu atmen geschweige denn 3 Taschen Richtung Shuttle-Bus zu schleppen. Nach einer halben Stunde Fahrt im Mini-Van haben wir dann im Novotel Bangkok eingecheckt und auch die anderen 6 Crew-Mitglieder getroffen die mit uns am nächsten Morgen einsteigen sollten. Da ich nicht die einzige Neueinsteigerin war haben wir den restlichen Tag damit verbracht uns irgendwie auszumalen was uns in den nächsten Monaten erwarten wird. Am Abend sind wir dann alle mit dem Hotel-Bus in einen Vorort von Bangkok auf einen wunderschönen Tailändischen Abend-Markt gefahren. Hier gab es wirklich alles zu kaufen was man sich vorstellen kann sowie Massage-Buden und eine Fress-Meile mit Konzertbühne. Aber leider habe ich keine Heuschrecken gefunden =( Wir sind den ganzen Abend über den Markt geschlendert und haben versucht all diese neuen faszinierenden Eindrücke zu verarbeiten. Ein Nudelgericht mit Thai-Bier später sind wir wieder zurück zum Hotel gefahren worden.
Am nächsten Morgen wurden wir um 7 Uhr abgeholt und zum Hafen nach Leam Chabang gebracht wo die Europa uns schon erwartet hat. Es war ein tolles Gefühl endlich davor zu stehen und zu wissen, dass es endlich los geht. Einschiffen, beim Crew-Purser melden, Uniform abholen, umziehen, 10 Uhr Dienstbeginn und keine Ahnung wo man hier eigentlich ist und was man hier macht bzw. machen soll! Alle 10 Meter wieder „Hallo, ich bin Aline (die Neue)!“ usw.… Natürlich habe ich fast alles was mir an diesem Tag erzählt wurde sofort wieder vergessen weil man einfach ständig mit irgendwelchen Infos zugebombt wird und eigentlich am liebsten einfach nur ins Bett will. Der erste Arbeitstag ging dann also für mich von 10-22:30 Uhr. Suiten putzen und für die neuen Gäste vorbereiten, Champagner verteilen, Gäste empfangen und auf die Suiten begleiten, sich persönlich vorstellen „Hallo, ich bin Aline, Ihre Kabinen-Stewardess, wenn Sie irgendwas benötigen…..“ , und dann nochmal in all meinen Suiten (ich betreue diese Reise 9 Stück) Betten aufdecken, Bad putzen, Schokolade verteilen, Gardinen zuziehen, etc.… Natürlich kenne ich mich noch kein bisschen auf dem Schiff aus und bin froh dass ich nach dem Dienst meine Kabine gefunden habe und endlich pennen konnte.
Wir fangen morgens um 7 Uhr an, haben dann so ca. von 14:00 – 17:30 Uhr Pause (es sei denn man hat „Wache“ – dann muss man dazwischen auch noch arbeiten) und machen Abends ca. um 22:30 Feierabend. Mittags wird geschlafen oder wir haben Landgang.
Am Donnerstag Mittag haben wir dann abgelegt und sind nach Kampong Saom (Kambodscha) gefahren. Dort hatten wir dann Landgang und sind für eine Stunde zum Strand gefahren. Die Eindrücke sind einfach unbeschreiblich! Arm neben Reich, Elend neben Tourismus, Müllberge neben einmaliger Landschaft… es ist Schrecklich und wunderschön zugleich! Das Wetter ist natürlich traumhaft! Blauer Himmel, türkises Meer und ständiger Sonnenschein! Aber es ist teilweise einfach zu heiß und die Luft zu feucht – die zweite Seite der Medaille… Hier waren wir an einem Strand ein “Bier“ trinken und wurden sofort von Einheimischen umringt die uns alles mögliche verkaufen wollten =) Ketten, seltsames Fleisch, noch mehr Armbänder, Massagen…. Naja das Problem war halt, dass die nicht mehr gegangen sind und eine halbe Stunde im Kreis um uns herum gestanden haben um zu sehen ob wir nicht doch noch was kaufen wollten =)
Samstag und Sonntag waren Seetage, d.h. wir fuhren 2 Tage Richtung Kota Kinabalu (Malaysia) und legten zwischendurch nirgendwo an. Es ist super in einer Suite zu stehen und zu arbeiten während man durch die Fenster das offene Meer an einem vorbeirauschen sieht, aber es schaukelt =)
Am Samstag Abend mussten wir nach dem Dienst noch Osternester für die Gäste basteln, aber danach ging‘s noch für ein Bier in die Crew-Bar… Schlaf steht hier nicht so auf der Liste =)
Am Montag haben wir dann in Kota Kinabalu (Borneo/Malaysia) angelegt und sind in unserer Pause in ein Shopping-Center gefahren. Das war allerdings nicht so spektakulär! Das wichtigste ist aber gewesen, dass wir mal wieder vom Schiff runter gekommen sind!
Nächster Stop Sandakan (Malaysia)! Mit dem Bus ging es in die City! Es war wirklich unglaublich dreckig hier! Überall Müll und extremer Gestank… ein Mix aus Abfall, stehendem Abwasser, toten Tieren und Fisch in Verbindung mit schwüler Hitze… traumhaft! Die Gäste sind an diesem Tag in einen Affen-Park gefahren worden, aber für die Crew war leider nur die City drin. Wir sind also in Kleingrüppchen ein bisschen da herum gelaufen und haben nach einer halben Stunde endlich einen kleinen Souvenirladen gefunden wo wir Postkarten kaufen konnten. Danach ging es aber dann ganz schnell wieder mit dem Shuttle-Bus zurück zum Schiff…
Zwei Seetage später haben wir in Parepare (Indonesien) angelegt. Hier wurde für uns Housekeeping-Mädels ein Ausflug Organisiert. Wir sind mit einem sehr seltsam englisch-sprechenden einheimischen Guide in einem Bus zu dessen Heimatdorf mitten im Regenwald gefahren. Die Menschen hier leben am Existenzminimum… Es war fast ein Schock zu sehen unter welchen Umständen die Menschen hier wohnen und arbeiten. Jeder hat hier eine kleine Holzhütte (natürlich selbstgebaut) an einer kleinen „Straße“ umringt von Regenwald und anderen Holzhütten. Man lebt von dem was man selber anbaut oder findet. Aber die Menschen haben einen zufriedenen Eindruck gemacht. Familie wird hier ganz groß geschrieben. Es leben im Durchschnitt mind. 10 Leute in einer Hütte mit dementsprechend vielen Kindern. Überhaupt war hier eigentlich jede Frau die wir gesehen haben schwanger =)
Die Kinder haben alle vor einem Haus gespielt und uns ihre selbstgebauten Spielsachen gezeigt. Zum Abschied haben wir alle die grünen Kokosnüsse probieren dürfen. Eigentlich waren wir für die Menschen mindestens eine genauso große Attraktion wie sie für uns… das ganze Dorf hat sich um uns versammelt!
Nach unserem Besuch in dem kleinen Dorf sind wir noch für eine Stunde an den Strand gefahren und haben die Ruhe genossen… abseits von allen Gästen!
Semarang , unser nächster Hafen ist leider Eindruckslos an mir vorrübergegangen. Der erste und einziger Landtag an dem ich, aufgrund totaler Müdigkeit in Verbindung mit einem Hafen in dem es im Umkreis von zwei Stunden absolut nichts zu sehen gab, an Bord geblieben bin und geschlafen habe =)
Am nächsten Tag sah die Sache schon ganz anders aus. Wir sind bei Pulau Sepa vor Anker gegangen und mit unseren Zodiacs zu der kleinen Insel gefahren wo für die Gäste ein Barbecue aufgebaut wurde und sie den ganzen Tag mit baden, sonnen, Bananenboot fahren oder tauchen verbringen konnten. In der Mittagspause sind dann auch wir für zwei Stunden rübergefahren und haben uns auf einem Steg gesonnt und den wunderschönen Ausblick genossen. Leider hat sich die Sonne den ganzen Tag hinter Wolken versteckt… Die Flora und Fauna auf diesen Inseln ist echt irre… Als Fotografin könnte ich mich hier Wochenlang aufhalten =) Das Wasser ist klar blau bis türkis und schön warm und zwischen den grünen Palmen und Sträuchern finden sich immer wieder strahlend bunte Pflanzen… ein Bild wie im Paradies!!! Das dachte ich als wir dort waren, aber ich sollte eine noch viel traumhaftere Insel kennen lernen (dazu später mehr)!
Am 1. April war wieder Seetag. Der Tag vor Embarkation (Ein- und Ausschiffung). Die Gäste haben am Morgen alle eine Mitteilung des Schiffes in ihrem Briefkasten gefunden in der es hieß, sie sollen alle um 12 Uhr in die Europa-Lounge auf Deck 4 kommen, da alle Gäste vor Ankunft in Singapur nochmal gewogen werden müssten. Das Inventar sowie die Crew seien schon gewogen worden. Da in Singapur Bauarbeiten im Hafenbecken durchgeführt werden würden müssten wir vor Einlaufen den genauen Tiefgang des Schiffes berechnen um nicht auf Grund zu laufen…
Natürlich war die Aufregung am Morgen groß weil sehr viele Gäste nicht glauben wollten das das nur ein Scherz sei und die anderen Gäste versucht haben davon zu überzeugen das „die“ (wir) sowas nicht machen würden wenn es nicht notwendig wäre! In Honkong wurde wohl alles schon mal Fieber gemessen (aus ernsten Gründen) und daher dachten ganz viele das es sich auch diesmal um eine ernste Angelegenheit handeln würde… Um 12 sind also dann fast alle auf Deck 4 gelaufen und wurden dort mit Kuchen in die Realität zurück geholt worden =) *hihi*
Embarkation war dann der Stress-Tag überhaupt! Wir haben von 6:30 Uhr bis 23:00 Uhr durchgearbeitet und hatten leider keine Zeit mehr als den Hafen Singapurs zu sehen… Aber uns wurde erzählt dass es hier wohl super schön sein soll, also ein Grund irgendwann nochmal zurück zu kommen!
Neue Gäste neues Glück…. Naja, das dachte ich da noch =) Aber meine neuen Gäste waren auch eigentlich alle ganz nett, nur eben wieder total anders anstrengend und schwierig als die an die man sich so schön gewöhnt hatte! Da war also mal wieder Konzentration gefordert und Namen lernen angesagt… Die zweite Reise geht jetzt also von Singapur nach Dubai!!!